Fahrradsternfahrt

Mobil ohne Auto - Fahrradsternfahrt

Forderungen an die Politik


Heute gehört die Straße uns! "100 000 Räder" Fahrradsternfahrt in Hamburg!

Radeln für Umwelt, Entwicklung und Frieden in Hamburg, am "Mobil ohne Auto"- Tag des Jahres.

Die Fahrradsternfahrt-Hamburg verläuft, von verschiedenen Punkten am Stadtrand, aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen, in die Innenstadt. Mit dieser Fahrraddemonstration wollen Zehntausende Menschen aus Norddeutschland auf die unverantwortlichen Folgen des Autoverkehrs hinweisen.Die wichtigsten Fakten :

1. Umweltzerstörung durch CO2-Emissionen

PKW- und LKW-Verkehr nutzen zu fast 100% die Energie fossiler Energieträger, vor allem des Erdöls. Diese Verkehre sind für ca. ein Drittel der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Verkehrs- Emissionen kommen vor allem aus den reichen Industrieländern, die Folgen des Klimawandels haben aber schon heute und in naher Zukunft vor allem die armen Länder des Südens zu tragen.

2. Umweltzerstörung durch Zersiedelung

Das Zerschneiden gewachsener Landschaften durch ein immer engmaschigeres Straßennetz zerstört die Lebensräume von Pflanzen- und Tierpopulationen und ist damit eine Bedrohung der Artenvielfalt.

3. Tod und Krankheiten durch Abgase und Luftverschmutzung

Die Emissionen von Schadstoffen, insbesondere von Dieselruß (Feinstäuben) durch Dieselfahrzeuge, beeinträchtigt die Gesundheit vieler tausender Menschen in Hamburg und Umgebung.


4. Tod und Verletzte und viel Leid durch Unfälle

Der Autoverkehr fordert pro Jahr gegenwärtig über 1 Million Unfall-Tote, ca. 2 Millionen Todesopfer aufgrund abgasbedingter Atemwegserkrankungen und viele Millionen Verletzte. In Hamburg steigt die Zahl der Verkehrstoten, entgegen dem Bundestrend, wieder an.


Radfahren und Zufußgehen bietet Vorteile

Fahrrad fahrende Menschen nehmen Veränderungen in Natur und Umwelt genauer wahr und können im Verkehr leichter und stressfreier miteinander kommunizieren.

Radfahren schont das Klima und die natürliche Umwelt, es reduziert die bislang zunehmende Verlärmung unserer Städte.

Ein Abschied von der ausschließlichen Autogesellschaft in Deutschland wäre ein gutes Beispiel für andere Länder.

Und nicht zuletzt: Radfahren macht Spaß und hält fit und gesund!


Der Trägerkreis der Fahrradsternfahrt fordert deshalb:

  • Die Mobilitätspolitik in Hamburg und anderswo muss die einseitige Förderung des Autoverkehrs aufgeben und stattdessen die Förderung des Fahrrad- und Fußverkehrs, sowie des Öffentlichen Verkehrs in den Mittelpunkt stellen.
  • Die Förderung des Fahrradverkehrs - durch Radstreifen auf den Fahrbahnen und gute Fahrradwege, wetterfeste und sichere Abstellmöglichkeiten an den Bahnhöfen, bessere Mitnahmemöglichkeiten in Bahnen und Bussen - würde vielen Menschen die Nutzung des Fahrrades im innerstädtischen Verkehr erleichtern und damit zu einer Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs beitragen.
  • Ein Drittel des Hamburger Verkehrsetats soll deshalb für den Fahrradverkehr zur Verfügung stehen. Bei dieser Forderung orientieren wir uns an Kopenhagen. Dort gibt es gegenwärtig einen Radverkehrsetat in dieser Höhe. Diese finanzielle Förderung führt - in Dänermarks Hauptstadt - zu einem Fahrradanteil von 32 % am Gesamtverkehr. Dieser Anteil soll dort auf 40 % gesteigert werden. In Hamburg beträgt der Fahrradverkehrsanteil nur 9%.
  • Eine massive Förderung des Fahrrad- und Fußverkehrs hätte zudem eine nicht zu unterschätzende gesundheitspolitische Bedeutung: Der Bewegungsmangel ist ein gesundheitliches Grundproblem heutigen Gesellschaft.


Unsere Forderungen im Einzelnen:

Sofortige Maßnahmen:

  1. Eine kompromisslose Förderung des Umweltverbundes (des öffentlichen Verkehrs, des Fahrradfahrens, des Zufußgehens).
  2. Renovierung der Radwege an den Hauptverkehrsstraßen.
  3. Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht auf allen übrigen Radwegen. Vorrangig sollen Fahrradstreifen auf der Fahrbahn abmarkiert werden.
  4. Sofortige Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht auf engen oder unübersichtlichen Radwegen und auf kombinierten Rad- und Gehwegen.
  5. Tempo 30 in der ganzen Stadt als Regelgeschwindigkeit.Tempo 30 gilt grundsätzlich. Auf Hauptverkehrsstraßen ist 50 km/h die Höchstgeschwindkeit, die eine Sonderregelung ist.
  6. Die Höchstgeschwindigkeit ist mittels Verkehrskontrollen konsequent durchzusetzen.
  7. Ampelvorrangschaltungen für Fußgänger/innen und Radfahrer/innen.
  8. Abschaffung der "Bettelampel" genannten Anforderungsampeln für den Fuss- und Radverkehr.
  9. Eine kompromisslose Politik für ein zukunftfähiges Hamburg.
  10. Eine kompromisslose Reduzierungs-Politik gegenüber potentiell klimaschädlichen-, tödlichen- und gesundheitsgefährdenden Verkehrsmitteln wie LKW, Auto und Motorrad.
  11. Alle Brennstoffe und Treibstoffe sollen in direktem Bezug zu ihrem Energiegehalt besteuert werden. Dazu gehört auch Gas und Diesel. Bio-Treibstoffe vom Acker sollen wegen des Welthungers und einer insgesamt schlechten Öko-Bilanz ebenfalls voll besteuert werden.

Mittel- und längerfristige Ziele:

  1. Wir fordern die Förderung regionaler Wirtschaftsräume zur Reduzierung der schädlichen Auswirkungen des weltweiten - infolge der neoliberalen Globalisierung - ansteigenden Güterverkehrs.
  2. Güter gehören auf die Bahn oder aufs Schiff!
  3. Wir fordern den Senat auf eine Bundesratsinitiative zur Erhebung einer Schwerverkehrsabgabe einzuleiten.
  4. Die Bauordnung muss geändert werden. Die Mindestgößen für Fahrradkeller und Fahrradschuppen sind zu verdoppeln.
  5. Fahrradabstellanlagen sind grundsätzlich fahrradfreundlich zu gestalten und es dürfen nur vom ADFC geprüfte Bügel aufgestellt werden.
  6. Förderung autofreien Wohnens beim Neubau und im Bestand. Vorrangige Vergabe von Bauland an Gesellschaften oder Wohnprojekte die "autofreie Wohngebiete" errichten wollen.
  7. Keine Zerstörung von Kleingartenanlagen, sondern Erhaltung dieser Naherholungsmöglichkeiten.
  8. Keine weitere Geldverschwendung für den Neubau von Autostraßen!
  9. Statt die Hafenquerspange zu bauen - Wilhelmsburg fördern!
  10. Statt der Finkenwerder-Ortsumgehung soll der Ausbau der HVV-Strecken im Süderelberaum gefördert werden!
  11. Die Buslinie 150 soll bis Buxtehude fahren!
  12. Wir fordern eine Reduzierung des Autoverkehrs zum Airbus-Werk durch Einführung von Gebühren für Autoparkplätze durch Airbus, der Senat soll hierauf hinwirken.
  13. Eine Reduzierung des Flächenverbrauchs für Autoparkplätze bei Airbus, soll durch Parkraumbewirtschaftung, also das Erheben von Parkgebührnen, erfolgen, der Senat soll hierauf hinwirken.
  14. Die sogenannte Airbustrasse soll nicht gebaut werden.
  15. Stopp der Pläne zum Bau einer zweiten Köhlbrandbrücke.
  16. Keine Hamburger Gelder für den Bau der A26, stattdessen eine Bundesratsinitiative zur Verhinderung der A26 starten.
  17. Keine aufwendigen und kostenintensiven Kreuzungsumbauten um den Auto-Verkehrsfluss zu fördern.
  18. Kein Bau der U4 zur Hafencity, stattdessen Planung einer Stadtbahn, die vorrangig auf den vorhandenen Straßenflächen fährt.
  19. U- und S-Bahn- Nachtverkehr soll bis zu den jeweiligen Endstationen gehen.
  20. Wir fordern eine Erhöhung der Bundesmittel für den ÖNV. Kürzungsvorschlägen soll der Senat massiv entgegen treten.
  21. Kostenlose Fahrradmitnahme in den schienengebundenen Fahrzeugen - einschließlich des Metronom - des HVV und den Schiffen.
  22. Bessere Fahrradabstellmöglichkeiten in den Fahrzeugen des HVV.
  23. Kein weiterer Bau von Park-and Ride Plätzen und Einsatz der freiwerdenden Gelder für den Bau sicherer Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen.
  24. Wiedereinführung des Sozialtickets für sozial bedürftige Personen.
  25. Eine kompromisslose Unterstützung entwicklungspolitischer Maßnahmen zur Förderung des Umweltverbundes in der "3. Welt" (siehe Anhang).
  26. Zur Umsetzung dieser Maßnahmen soll der Senat sofortige Verhandlungen mit den in der "Mobil ohne Auto Regionalkoordination Nord" zusammengeschlossenen Gruppierungen aufnehmen.


Die Organisationen, welche die Fahrradsternfahrt tragen, werden, ihrer sonstigen Tätigkeit entsprechend, verschiedene der oben genannten Aspekte auf Plakaten, Faltblättern und Transparenten, in Beiträgen auf den Kundgebungen und an Informationsständen in die Öffentlichkeit bringen und damit einen Beitrag zu einem menschen- und umweltgerechteren Verkehr leisten.

Anhang

Automobile Mobilität verursacht auch überregionale Schäden, für die wir Norddeutschen auch verantwortlich sind:

  • Während die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland zurückgeht, steigt sie in den Ländern Ost- und Südosteuropa und in den armen Ländern des Südens drastisch an.
  • Die Emissionen von Schadstoffen, insbesondere von Feinstäuben durch Dieselfahrzeuge, beeinträchtigt die Gesundheit vieler tausender Menschen in Hamburg. und von vielen Millionen in den Metropolen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Diese Emissionen schädigen Böden und Gewässer in beträchtlichem Ausmaß.
  • Die Erdölförderung führt zur großflächigen Zerstörung von Regenwäldern und anderen Naturlandschaften, die damit unwiederbringlich verloren gehen. Oft werden damit auch die Lebensgrundlagen der dort lebenden indigenen Völker zerstört. Der Transport des Öls durch Pipelines und mit Großtankern führt immer wieder zu großen Unfällen, die katastrophale Folgen für Fauna und Flora haben.
  • Der Export von Autos und der dazu gehörenden Straßeninfrastruktur zerstört in Ländern Afrikas und Asiens traditionelle - nicht motorisierte - Verkehrsformen, Landschaften, gewachsene Sozialstrukturen und natürliche Lebensgrundlagen. Der Versuch, dieses Mobilitätsmodell zu kopieren, verschlingt finanzielle Mittel, die für andere Bereiche dringend gebraucht werden und er erhöht die Abhängigkeit vom Öl.
  • Nicht zuletzt trägt der weltweite Autoverkehr auch zu den gegenwärtig stattfindenden Kriegen ums Erdöl bei, denn mehr als 50% der jährlichen, weltweiten Ölförderung wird für Kraft- und Schmierstoffe - für das Auto - benötigt. 
Powered By Website Baker